Herbste in mir

Dem Baum werden jetzt die Blätter braun
durch die Straßen hört die Welt nun
Winde der Demut wehn und Augen schaun
mächtig auf´s unsere Tun.

Gedanken durchdringen lichtarm die Welt,
am Himmel die Wolken so wirr.
Neben mir stehn auf einsamen Feld
Hafer und Schemen von Dir.

 Ich saß so da

Ich saß so da, von Mühsal geplagt
ins Leben gebeugt.
Ein Surren weckte mich aus dem Sekundentod
und Sehnsucht schlug um sich -
Traf.

Zufrieden, doch von Zweifeln tief zerfressen,
ward der Sessel meine Heimat.
Und die Zweifel nagten weiter,
griffen in die Beine über
und die lenkten mich in raschen
Schritten zu den Schränken aller Wehmut,
und die Bundgenossen, jene fremden Hände,

griffen nach den Gläsern, die
voll Argwohn thronen und den Blättern,
die im Dunkel schlummerten
und sie retteten halbes Leben, das
am Boden sich noch wandt.

Hoffnungsfroh und schuldbewusst
und in der Ahnung der Sinnlosigkeit
entließen die Hände dies Leben
in die Ödnis jener Freiheit.

Von Weinbergschnecken

Es kroch einst eine Weinbergschnecke
in der Nacht vor lauter Glück
an der Wand hoch bis zur Decke
und von dort wieder zurück
in die dunkle Zimmerecke
und mit Zögern kurz im Blick
kroch sie dann die ganze Strecke
hoch - und das in einem Stück -
und erhing zu unser Schrecke
sich an einem grauen Strick.

Wir sahen

 Wir sahen uns ins Angesicht
ins leere und gehetzte*.
Und erkannten einander nicht
so machten wir uns ans letzte:

Wir starben beide langsam aus,
es dauerte mehr als hundert
Jahre. Es hat sich in unserem Haus
außer uns auch keiner gewundert.

*:Leihvers von Ich-weiß-nicht-wem

Begegnung

Zwei Menschen auf einer Wiese
Sie dort und er hie.
Mir ist, als ob ich wie er hieße
und du wie sie.

So saßen sie dort. Tiefe Nacht
zog über sie und wieder ab.
Vielleicht sind sie nie mehr erwacht
und die Wiese ward ihnen ihr Grab.