Die Tage durchfliegen

Die Tage durchfliegen flüchtig die Welt
gehetzt von den Winden und Nächten.
Wir warten auf Leben, das zögerlich fällt,
herniedergespien von den Mächten.

Sonnenlicht flutet der Leblosen Meer,
wir leben und sterben im Dunkel.
Nur selten und ohne Wiederkehr
erhellt uns ein leeres Gefunkel.

Der Himmel neigt sich der Endlichkeit zu
und Regen und glühend Glut fallen.
Die Vögel hören durch göttliche Ruh
Schreie und Sehnsüchte hallen.

Eine Rede zum Jubiläum des Deutschen Jagd- Bundes

 

 

Wie spöttisch die Vögelein blicken

Hinab- und wie arm wir hinauf!

Ich spüre am Arme ein Zwicken

Es meldet sich des Gewehrs Lauf:

„Bestraf sie mit bleiernem Reigen!
Bring ihre Äuglein zum Schließen!“
Ich bring den Gewehrlauf zum Schweigen:
“Mit dir sind nur Menschen zu schießen.“

 

 

 

 

 

Lied vom Abschied

 

In allem, was wir still bedenken,

ist der Abschied laut zustell´.

Kaum, dass wir gen Heimat lenken,

wird am Horizont es hell

und man sieht im Dämmerscheine

jenes endgültige Licht.

Ach, du Auge bitte weine,

doch verzweifle indes nicht,

 

Fremdbestimmt wohl jeder Schritte, 

jedweder Gedank´ gedacht.

Jede gegenstimm´de Bitte

Endet in zu langer Nacht.

Abschied lebt in jedem Beine,

das gehüllt in fernes Licht.

Ach, du Auge, bitte weine,

doch verzweifle indes nicht.

 

Wer gelebt, der in der Frage,

was genau die Welt denn dreht:

Wartet bis zu jenem Tage,

wenn der letzte Winde weht.

Und wer vor dem Abschied wache,

denke an das heim´sche Glück;

Ach, du gutes Auge, lache:

Wer einst geht, kehrt auch zurück!

 

 

 

 

 

Stadtpoem 12

 

 

In Celle war eine selbige frei

Für einen Gefängnisinsassen.

Die Wächter führten ihn flugs herbei –

„Hier könnt ihr mich doch nicht lassen!

 

Gefängnis in Celle – wie steh ich denn da,

wenn ich raus bin- kann mir ´für nichts kaufen!“

Die Wächter überdachten´s – Tata! -

Aus Mitleid ließen sie ihn laufen.

Klagelied von Gibraltar (aus dem Afrikanischen)

Die Freiheit zum greifen fast nahe
(Ach, wär doch der Arm nicht so kurz!),
verheissungsvoll spiegelt Leben
sich auf des Meeres Wogen.

Es ziehen im Blauen die Fische
allabendlich und alltäglich
die Bahnen - es stehen die Wege
nach Überall ihnen offen.

Und wir - Ach, wir jammernden Narren!-
wir leben in Sehnsucht gehüllt
am Ufer und sehen den Fischen
betrübet beim Schwimmen zu.

Bestandsaufnahme: Deutschland ´06

Es standen zwei Menschen am Strande
am unvollkommenen Meere.
Sie kannten das Meere nicht,
sie kannten auch nicht ihr Lande.
Sie scheiterten im Unterricht
und bekamen nie eine Lehre.